Je behutsamer ein Mensch handelt, desto mehr werden andere Menschen in seiner Gegenwart liebevolle Gefühle empfinden.“

– Patanjali, Yoga Sutra 2.35

Was bedeutet AHIMSA?

Im Sanskrit steht „himsa“ für Gewalt, Aggression und Verletzung. Das „a“ verneint diese Bedeutung. Ahimsa wird demnach übersetzt mit „Nicht-Gewalt“, also Gewaltlosigkeit. und „Nicht-Verletzen“.

In vielen Religionen wie dem Budhdismus, Hinduismus und dem Jainismus steht dieser Begriff für eine Regel bzw. ein Prinzip. Es geht darum, sich friedfertig zu verhalten, nicht nur den Mitmenschen sondern allen Lebewesen gegenüber, so dass keiner zu Schaden kommt. Auch für Mahatma Gandhi war dies ein wichtiger Begriff. So sagt er: „Wo Liebe wächst, gedeiht Leben. Wo Hass aufkommt, droht Untergang.“ Doch auch im Yoga gibt es Ahimsa. Patanjali schreibt in den Yoga Sutras über die Yamas – die Grundregeln für den Umgang miteinander. Ahimsa ist dabei das erste Prinzip.

Zuerst denkt man bei Gewalt z.B. an „Schlagen“ also körperliche Gewalt, doch auch Schreien, Türenschlagen, Schimpfen; Lästern oder auch Beleidigungen und sogar verletzende Gedanken sind ein Ausdruck von Gewalt. Man kann Gewalt in 3 verschiedene Arten unterscheiden:

  • Physische Gewalt—das Töten, Verletzen oder Zufügen körperlichen Schmerzes
  • Gewalt in Worten—der Gebrauch von rauer Sprache, Beschimpfungen, etc.
  • Mentale Gewalt—schlechte Gedanken, negative Meinungen oder sogar Hassgefühle anderen Menschen gegenüber

Demnach sollte man eher sanftmütig sein und handeln. Im weiteren Sinn sollten wir alles unterlassen, was ein lebendes Wesen verletzen könnte, nicht nur durch Taten, sondern auch durch Worte und Gedanken.

Warum ist AHIMSA so wichtig?

Jeder kennt sie von uns – die Nachrichten über Kriege, Menschenrechtsverletzungen, Klimakrise, schlechte Tierhaltung, Hassverbrechen, sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt, Polizeigewalt, Diskriminierung,… Und doch fühlen wir uns machtlos.

Wir sollten an Gandhi denken, der als einzelner Mensch Großes bewegen konnte – und das durch seinen gewaltlosen Widerstand. Gut, wir sind nicht Gandhi, aber auch wir können durch Achtsamkeit in unserem Denken, in unseren Worten und Taten unseren Beitrag in unserem persönlichen Umfeld leisten – es besser machen.

Das fängt schon mit Kleinigkeiten an: ein Lächeln, eine nette Geste, Höflichkeit und Unvoreingenommenheit anderen Menschen gegenüber machen den Alltag positiver.

Was können wir sonst noch tun?

  • Geduldiger sein und sich nicht mit Vorurteilen oder Hass belasten, dagegen Vertrauen und Offenheit dem eigenen Umfeld begegnen.
  • Absichtliche Verletzungen vermeiden, z.B. durch weniger und wenn hochwertigen regionalen Fleischkonsum, oder durch eine vegetarische/ vegane Ernährung, oder durch einen liebevollen Umgang mit Familie und Freunden.
  • Die Umwelt schonen
  • Standhaft gegen Ungerechtigkeiten, Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung sein. Sich für Betroffene einsetzen, ohne dabei selbst nach gewaltsamen oder verletzenden Mitteln zu greifen.
  • Sich auch einmal den Spiegel vor das eigene Gesicht halten.
  • Sich in die Lage der anderen hineinversetzen.
  • Nicht immer alles bewerten und verurteilen.
  • Liebevoll mit sich selbst umgehen.

Mit diesen einfachen Regeln machst du dir das Leben leichter und kannst sogar deine Umgebung positiv beeinflussen. Ahimsa ist vielfältig und kann in allen Lebensbereichen angewendet werden. Mit deiner inneren Überzeugung und dem Willen, Gutes zu bewirken, wirst du viel erreichen.

Jede unserer inneren Einstellungen kann uns Probleme bereiten oder aber dazu beitragen, dass wir glücklicher werden.“ – Patanjali, Yoga Sutra 1.5

Eine kurze Weisheitsgeschichte aus dem Buch „Patanjalis 10 Gebote der Lebensfreude“ von Birgit Feliz Carrasco

Ein Hund hatte vom Tempel der Tausend Spiegel gehört und machte sich auf die Suche nach diesem Ort. Nach langer Wanderschaft kam er schließlich ans Ziel. Der Hund stieg die steilen Treppen zum Tempel hinauf und durchschritt, froh und glücklich endlich angekommen zu sein, den Tempeleingang. Da blickten ihn aus tausend Spiegeln tausend freundliche, glückliche Hund an und alle weddelten fröhlich mit dem Schwanz. Der Hund war zufrieden und freute sich und verließ den Tempel mit dem Gefühl, dass die Welt voller freundlicher Hunde sei.

Am nächsten Tag kam ein anderer Hund zum Tempel der Tausend Spiegel. Er war müde und erschöpft und nun musste er auch noch die steile Treppe hinaufsteigen. Er betrat missmutig den Tempel und da blickten ihn aus tausend Spiegeln tausend missmutige Hund an. Er knurrte und fletschte die Zähne und so knurrten auch tausend andere Hunde ihn an und fletschten die Zähne. Der Hund verließ den Tempel der Tausend Spiegel in dem Gefühl, dass die Welt voller missmutiger Hunde sei.

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